Tomaten selbst anbauen – die 12 häufigsten Fragen

Wenn Du einmal Tomaten aus dem eigenen Garten probiert hast, sind die aus dem Supermarkt nur noch eine Notlösung. Ich zeige Dir in diesem Beitrag, wie Du erfolgreich deine Tomaten selbst anbauen kannst.

Welches Saatgut?

Wenn Du die Pflanzen selbst ziehen möchtest, benötigst Du zunächst gutes Saatgut. Was aber ist gutes Saatgut?

Theoretisch könntest Du einfach die Samen einer Supermarkttomate entnehmen, die Dir gut geschmeckt hat und einpflanzen. In den meisten Fällen wärst Du dann aber spätestens bei der Ernte sehr enttäuscht. Bei den Ertragssorten aus dem Supermarkt handelt es sich meist um F1 Hybriden, die im zweiten Jahr zum einen nicht die gewünschte Ernte bringen, zum anderen in Aussehen und Geschmack nicht den gekauften entsprechen.

Wichtig ist daher, dass Du samenfestes Saatgut verwendest, wenn möglich in Bioqualität.

Welche Sorten?

Tomate Green Zebra

Wenn Du dann vor dem Regal mit den Saattütchen stehst oder wenn Du direkt Pflanzen kaufst, in der Gärtnerei vor der großen Auswahl an Pflanzen stehst, stellt sich die Frage nach der Wahl der Sorten.

Im ersten Jahr rate ich Dir dazu, so viele Sorten wie möglich anzubauen, denn das hat folgende Vorteile:

1. Man findet so die Sorten, die einem am Besten schmecken, denn es ist nicht gesagt, dass eine Sorte, die einem von jemand anderem empfohlen wird, auch Dir selbst gut schmeckt.

2. Man findet heraus, welche Sorte für den eigenen Standort gut geeignet ist, denn nicht jede Sorte passt für jedes Klima. Auch werden die guten Sorten mit der Zeit widerstandsfähiger und passen sich den regionalen Gegebenheiten an.

3. Man erhält eine Vielfalt auf dem Teller. Manche Sorten eignen sich gut für Soßen, andere sind gut für Salate oder zum Grillen oder zum Direktverzehr.

4. Man hat eine längere Erntezeit, den einige kleine Sorten sind schneller reif, als große Fleischtomaten, bzw. einige Sorten lassen sich am Ende der Saison besser lagern, als Andere.

Welchen Standort?

Tomaten mulchen

Die gute Nachricht ist, es gibt fast für jeden Standort die richtige Tomate. Ich habe sogar welche, die im Kübel auf der Nordterrasse gedeihen.

Als Beginner sollte man im ersten Jahr im Freien nur Sorten anbauen, die auch fürs Freiland geeignet sind. Die meisten Tomaten mögen keine Nässe, insbesondere möchten sie nicht lange nass stehen.

Solltest Du also kein Gewächshaus haben, eignet sich eine überdachte Hauswand gut oder Du baust deinen Tomaten ein Dach, dafür gibt es diverse Anleitungen.

Auf dem Balkon, in Kübeln fühlen sich insbesondere Strauchtomaten sehr wohl.

Ich baue jedes Jahr auch Tomaten in einem meiner Hochbeete an. Das funktioniert super, obwohl es kein Dach hat, aber ich wohne auch am Rhein und hier regnet es wenig und es ist sehr warm.

Wann vorziehen oder kaufen?

Oft höre ich von Leuten, die ihre Tomaten schon im Januar vorziehen. Das ist viel zu früh, es sei denn Du hast ein beheiztes Gewächshaus. Ein idealer Zeitpunkt für das Aussehen ist März-April. Ich war dieses Jahr mit Ende März für die ersten Tomaten, für meine Verhältnisse sehr spät dran, aber jetzt sind sie durch die viele Sonne, die wir im April hatten, schon weiter als im letzten Jahr und ich sehne den Zeitpunkt herbei, wann ich sie auspflanzen kann.

Jetzt schreibe ich diesen Artikel aber Anfang Mai und Du denkst Dir beim Lesen, toll, jetzt habe ich den idealen Zeitpunkt verpasst. Das ist zwar richtig, aber kleinere Sorten gehen auch jetzt noch oder Du kaufst Dir dieses Jahr einfach vorgezogenen Pflanzen, was durchaus Sinn macht, wenn Du nur 1-2 Pflanzen pro Sorte haben möchtest.

Mein Tipp: wenn Du nicht so viele Pflanzen kaufen möchtest, dann lass einfach ein paar Geiztriebe etwas größer werden, breche sie aus und steck sie dann einfach in Erde, das funktioniert wunderbar und Du bekommst Deine Pflanzen schnell verdoppelt oder verdreifacht.

Wenn Du Deine Pflanzen kaufen möchtest, dann macht es Sinn, auch veredelte Sorten zu kaufen, da diese resistenter gegen Schädlinge und insbesondere die Kraut- und Braunfäule sind. Mit dem Kaufen aber bitte bis nach den Eisheiligen (16.Mai) warten, denn die Pflanzen wollen möglichst schnell ausgepflanzt werden.

Wie aussäen?

Anzucht – Pixabay

Manche säen viele Samen in eine Aussaatschale. Das hat den Vorteil, dass sie auf der Fensterbank nicht soviel Platz wegnehmen, bedeutet aber auch, dass man sie recht bald vereinzeln muss, was die Gefahr birgt, dass man die Pflanzen verletzt. Ich bevorzuge Anzuchtboxen, da ich so jeden Samen in ein eigenes kleines Töpfchen setzen kann und auch gleich den passenden Deckel zur Hand habe und nicht mit Frischhaltefolie etc. arbeiten muss. Bei der Aussaat bitte beachten, dass man die Tomaten nur 0,5 cm in die Erde pflanzt, sonst besteht die Gefahr dass sie verfaulen und es nicht ans Licht schaffen.

Wie umtopfen?

Tomaten kann man beim Umtopfen etwas tiefer setzen, bis kurz vor das erste Keimblatt. Das hat den Vorteil, dass sie stabiler im Topf stehen und auch mehr Wurzeln bilden. Dach Gleiche kann man aber auch erst beim Auspflanzen machen. Beim Umtopfen reichere ich die Erde mit Kompost an und gebe auch schon etwas Langzeitdünger hinzu, damit die Pflanzen schön kräftig werden.

Wann auspflanzen?

Im Freiland solltest Du die Tomaten auf keinen Fall vor den Eisheiligen auspflanzen. Auch bei recht warmem Wetter kann Dir sonst eine einzige Frostnacht oder ein Hagelschauer alles zunichte machen. Gleiches gilt für Kübel auf dem Balkon.

Ins kalte Gewächshaus setze ich die Ersten meist schon Mitte April, das Gewächshaus ist aber auch mit einem Frostwächter versehen.

Vor dem Auspflanzen solltest Du die Tomaten auch erst etwas abhärten, indem Du sie tagsüber schon einmal für einige Stunden rausstellst. Zunächst in den Halbschatten, dann in die Sonne, am Anfang nur ein paar Stunden, am Ende den ganzen Tag und schon einmal an die Stelle, an die Du sie auch pflanzen möchtest. Spätestens wenn Du die Pflanzen abhärtest und damit auch dem Wind aussetzt, solltest Du sie mit einem Stützstab versehen.

Tomaten gut stützen

Wie pflege ich meine Tomaten?

Regelmäßiges Gießen

Tomaten benötigen viel Wasser, Du solltest sie daher regelmäßig von unten gießen. Sie mögen allerdings kein zu hartes und kein zu kaltes Wasser. Ich nehme dafür Regenwasser und stelle dies über Nacht ins Gewächshaus, dann ist es am Morgen gut temperiert. Am Morgen zu gießen macht Sinn, da die Pflanzen Nachtschattengewächse sind und daher nachts „arbeiten“. Außerdem verhinderst Du so, dass sie abends noch nasse Füße haben.

Mulchen oder Unterpflanzung

Pixabay

Um eine zu rasche Verdunstung zu verhindern, kann man seine Tomatenpflanzen mit einer Unterpflanzung versehen oder mulchen. Auch kann man ein Flies aufbringen, das schützt die Pflanzen auch vor hochspritzendem Wasser, was Kraut- und Braunfäule vorbeugt.

Als Unterpflanzung nehme ich gerne Basilikum oder Tagetes. Das Basilikum brauche ich für die vielen Soßen sowieso und die Tagetes ziehen sehr viele Bestäuber an.

Zwiebeln sollen auch gut funktionieren, da sie Schädlinge fernhalten, habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Ausgeizen

Tomaten, mit Ausnahme von Buschtomaten, solltest Du regelmäßig ausgeizen. Ausgeizen bedeutet Du entfernst die Seitentriebe. Ein kleiner frischer Geiztrieb lässt sich einfach mit den Fingern abknipsen, dazu wird der Seitentrieb an der Basis mit dem Daumen und dem Zeigefinger gegriffen. Nun wird er langsam vor- und zurückgebeugt, bis er sauber abbricht. Ist ein Geiztrieb etwas älter, wird er auch fester. Dann wird er sanft zur Seite weggeknickt, normalerweise bricht er an der sogenannten Sollbruchstelle. Man sollte niemals die Triebe ausreißen, denn dadurch können größere unregelmäßige Wunden entstehen. Ist ein Seitentrieb bereits wesentlich älter, muss er abgeschnitten werden. Eine gute Anleitung findest Du auch hier. Das Ausgeizen sorgt dafür, dass die Pflanze mehr Energie in die Früchte stecken kann und diese größer und aromatischer werden. Außerdem benötigen die Pflanzen dann nicht soviel Platz und sie werden besser belüftet. Ich ziehe die meisten Tomaten im Gewächshaus eintriebig und im Freiland zweitriebig.

Regelmäßig düngen

Tomaten als Starkzehrer wollen regelmäßig mit Nährstoffen versorgt werden. Da ich meine Tomaten mit Kompost versehe, bekommen sie am Anfang von mir nur etwas Urgesteinsmehl und nachdem sie gut angewachsen sind, etwas organischen Dünger in Form von Brennnesseljauche und Hühnerpellets.

Anbinden oder stützen

Da Tomaten doch einiges an Gewicht tragen müssen, benötigen sie eine Stütze in Form eines Stabes. Im Gewächshaus geht es auch mit Hilfe einer Schnur. Die Schnur wird mit Hilfe eines speziellen Tomatenhakens an der Decke befestigt und die Tomaten werden dann um die Schnur geschlungen.

Was tun gegen Blütenendfäule?

Manche Tomaten neigen zur Blütenendfäule, dagegen ist leider wenig auszurichten, wenn sie erst einmal da ist. Sorten, die davon befallen werden, baue ich im nächsten Jahr nicht mehr an, es sei denn, es ist eine meiner Lieblingssorten, dann nehme ich aus diesem Jahr kein Saatgut, sondern nehme älteres Saatgut. Vorbeugend gieße ich die Tomatenpflanzen dann mit verdünnter Milch (1 Tasse auf 10 Liter Wasser), das beugt vor allem Kalziummangel vor.

Was tun gegen die Raupen der Gemüse-Eule?

Im Freiland passiert das nicht so häufig bzw. das Problem löst sich von selbst durch Fressfeinde. Im Gewächshaus könnten diese großen Raupen aber schnell zu einer Plage werden. Am Besten helfen dabei Duftfallen.

Was ist bei der Ernte zu beachten?

Vollreif ernten

Der große Vorteil bei den eigenen Tomaten ist es, dass man sie vollreif ernten kann und so das beste Geschmackserlebnis erzielen kann. Reif sind die Früchte, wenn sie durch drehen einfach an der „Sollbruchstelle“ abbrechen.

Ernteflut

Während man die ersten Tomaten kaum erwarten kann, kommt es früher oder später dazu, dass man eine größere Ernte hat, als man verzehren kann. Das ist der Zeitpunkt seine Ernte haltbar zu machen.

Bei Tomaten bedeutet dies

  • süß-sauer oder in Öl einlegen
  • Tomatensoßen einkochen
  • Tomaten trocknen

Gerade in Zeiten von Corona ist man sehr dankbar für einen gut gefüllten Vorratsschrank.

Saatgutgewinnung

Bei der Ernte sollte man auch an die Gewinnung des eignen Saatguts denken. Empfohlen wird oft die ersten Früchte zu nehmen. Ich nehme jedoch oft Früchte einen Monat vor Ende der Saison, da die Pflanzen dann schon eine ganze Saison lang sich an die speziellen Bedingungen in meinem Garten anpassen konnten, was sich auf das Saatgut auswirkt. Einfach die Kerne in einem Glas mit lauwarmen Wasser eine Zeitlang stehen lassen, bis die Kerne sich vom Fruchtfleisch trennen und nach unten sinken, in einem Sieb Reste abbrausen und auf einem Küchenkrepp trocknen lassen, dann in Tütchen füllen und trocken und nicht zu warm aufbewahren. Nicht vergessen, die Tüten zu beschriften!

Lagerung und Nachreifen

Am Ende jeder Saison ist es immer das gleiche Bild. Es nahen die ersten Fröste, aber die Tomaten haben noch jede Menge grüne Früchte.

Die gute Nachricht ist, man kann sie grün ernten und nachreifen lassen. Meine Oma hat die Früchte, die sie möglichst bald essen wollte, einfach auf den Küchenschrank gelegt, das klappt sehr gut und die Tomaten sind in wenigen Tagen reif und haben noch ein tolles Aroma.

Aber meistens sind es so viele, dass ich gerne noch welche lagern möchte. Dazu eignet sich ein Schuhkarton mit Luftlöchern, den ich in den Keller stelle. Hierfür besonders geeignet sind kleine Sorten, da sie besser den Geschmack behalten.

So Ihr Lieben das waren auf den ersten Blick sehr viele Information. Da man sie aber nicht alle auf einmal benötigt, könnt ihr meine Tipps immer Schritt für Schritt abarbeiten.

Viel Spaß bei Eurem Tomatenanbau.

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