Gemüse auf Terrasse oder Balkon im Kübel anbauen – eine Anleitung

Du hast nur einen kleinen Balkon oder eine Terrasse und möchtest trotzdem Dein eigenes Gemüse und Obst ernten, dann bist Du hier genau richtig. Erfahre nun, wie Du beliebte Gemüsesorten auf Terrasse oder Balkon im Kübel leicht selbst anbauen kannst.

Planung schützt vor Misserfolg

Wenn Du mit dem Anbau von Gemüse und Obst auf dem Balkon starten willst, solltest Du eine Planung erstellen.

Du solltest Dir folgende Dinge überlegen:

– Was möchte ich anbauen?

– Wieviel Zeit kann ich investieren?

– Wer versorgt die Pflanzen wenn ich nicht da bin?

– Wieviel Platz habe ich zur Verfügung?

Welche Pflanzen anbauen?

Grundsätzlich kann man nahezu alles, was man im Garten anbauen kann, auch auf dem Balkon anbauen. Manchmal macht es aber keinen Sinn, weil der Platzbedarf im Missverhältnis zum Ertrag steht. Nehmen wir zum Beispiel Kartoffeln. Die benötigen sehr viel Platz, haben eine lange Kulturzeit, d.h. der Platz ist lange belegt und die Ernte ist im Vergleich dazu relativ gering.

Gut sind daher vor allem schnellwachsende Gemüse oder Gemüse, die einen sehr hohen Ertrag bringen. Sinnvolle schnellwachsende Gemüse sind z.B. Salate, Radieschen, diverse Kräuter. Einen hohen Ertrag liefern Gurken, Tomaten, Paprika/Peperoni, Zucchini. Möchtest Du mehrjährige Gemüse, Kräuter oder Obst anbauen, solltest Du darauf achten, dass sie winterhart sind.

Peperoni für den Balkon/midlifeblog.de

Wieviel Zeit kann ich investieren?

Was Du unbedingt beachten solltest, ist, das Pflanzen Lebewesen sind und pflege benötigen. In den trockenen und warmen Sommern, die wir in den letzten Jahren hatten, ist ein tägliches Gießen zwingend erforderlich, auch gilt es Schädlinge im Blick zu behalten und die Pflanzen mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen. Aber keine Angst, man entwickelt ganz schnell eine Routine und außerdem gibt es auch einige Hilfsmittel, wie Langzeitdünger.

Wer versorgt die Pflanzen, wenn ich nicht da bin?

Hier gilt ähnliches wie bei der Anschaffung von Tieren. Vor der Anschaffung bereits an den Urlaub denken. Habe ich Menschen, denen ich das tägliche Gießen zumuten möchte?

Wenn ich diese Frage verneinen muss, heißt das nicht dass ich auf das Gemüse verzichten muss, es heißt nur, dass ich mir schon vor der Pflanzung Gedanken über eine automatische Bewässerung machen sollte.

Wieviel Platz habe ich zur Verfügung?

Platz für Gemüse ist auch auf dem kleinsten Balkon. Du solltest aber bereits bei der Anordnung bedenken, wie groß die Pflanzen werden und ob sie eine Rankhilfe benötigen oder angebunden werden müssen. Auch sollten deine Sitzmöbel noch bequem darauf passen.

Balkon mit Kübeln

Was benötigst Du um zu starten?

Folgende Dinge brauchst Du für den Start:

– Töpfe bzw. Balkonkästen oder kleine Hochbeete

– gute Pflanzerde

-Dünger – Langzeit- und Flüssigdünger

– gute Pflanzen oder Saatgut

– eine Gießkanne

Die Wahl des richtigen Pflanzgefäßes

Da Du Dir ja bereits oben Gedanken darum gemacht hast, was Du anbauen möchtest, brauchst Du nur noch die richtigen Gefäße für die unterschiedlichen Pflanzen wählen. Wieviel Geld Du dafür ausgibst, bleibt Dir überlassen. Den Pflanzen ist es egal, ob sie in einfache Mörtelkübel oder in hochwertige Terrakottatöpfe gepflanzt werden.

Terrakotta ist nachhaltiger, hat aber den Nachteil, dass Du mehr gießen musst, da es Wasser nach außen verdunstet. Schwarze Mörtelkübel haben den Nachteil, dass sie sich bei hohen Temperaturen im Sommer sehr stark aufheizen können, sodass die Gefahr von Wurzelverbrennungen besteht.

Ich persönlich präferiere zur Zeit Terrakotta-Nachbildungen aus Kunststoff und einfache Obstkisten, die ich mit Vlies auskleide.

Bei der Größe der Gefäße solltest Du sowohl den Nährstoffbedarf der Pflanzen im Blick haben, als auch dein Platzangebot. Töpfe unter 10 l machen für Gemüsepflanzen allerdings kaum Sinn. Bei Gurken sollten es sogar mindestens 20 l sein.

Um den Platz möglichst gut auszunutzen, solltest Du auch das Balkongeländer mit Blumenkästen versehen und diese, sobald die Pflanzen angewachsen sind, nach außen wachsen lassen. Toll für Blumenkästen sind Erdbeeren, Kräuter aber auch Salate.

Ein Spalier an deiner Balkonrückwand eignet sich super für Gurken, Zucchini und Co.., aber auch Kiwi, Wein oder Himbeeren gefällt dieser Platz gut.

Gefäße, die besonders leicht sind solltest Du mit einer ordentlichen Drainageschicht aus Kies versehen, das hilft gegen das Umfallen durch Windböen, gut ist es auch die Kübel anzubinden.

Die Wahl der richtigen Erde

Erde für deine Pflanzen gibt es in Hülle und Fülle, in sehr unterschiedlichen Qualitäten. Hier gilt billig ist nicht gleich gut, also Hände weg vom Supermarktsonderangebot. Ich persönlich lege Wert darauf, dass die Erde kein Torf enthält und Bioqualität hat. Für Starkzehrer wie Kürbis und Gurken verwende ich den eigenen Kompost und da dieser oft zu wenig ist noch zu gekauften Kompost. Gute Erden gibt es so ab 20 Cent pro Liter, Kompost ab 15 Cent pro Liter.

Mischkultur im Hochbeet

Dünger

Jede Pflanze hat unterschiedliche Bedürfnisse was das „Nahrungsangebot“ angeht. Du solltest also darauf achten, ob Du den Kübel für Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer vorbereitest. Oftmals ist die angebotene Erde auch bereits vorgedüngt. Schau Dir genau an, wie lange die Düngung halten soll, meist steht dabei für 4-6 Wochen. Schwachzehrer kommen mit so einer Erde oft über die ganze Saison, ohne dass noch nachgearbeitet werden muss. Bei Mittelzehrern beobachte ich die Pflanzen und gebe pro Saison meist 1-2 mal noch etwas organischen Dünger hinzu, bei Starkzehrern allerdings arbeite ich schon bei der Pflanzung einen guten organischen Dünger mit ein. Aber Achtung, ich gebe ihn nicht direkt an die Wurzeln, da die Pflanze dann faul wird und nicht genügend Wurzeln bildet. Wieviel Dünger Du benötigst, hängt auch oft von Deinem Gießverhalten ab. Viele gießen auch im Hochsommer ganz viel auf einen Schlag und wundern sich, dass sehr viel Wasser und damit auch Nährstoffe sofort wieder aus dem Kübel ausfliesen.

Meiner Meinung nach kommt man mit einem guten Langzeitdünger, einer kleinen Menge Flüssigdünger für Akutsituationen und etwas Urgesteinsmehl gut durch die Saison.

Gemüse für den Balkon

Pflanzen

Bereits im vorherigen Post habe ich mich dafür ausgesprochen, sich in seiner ersten Saison nicht damit zu überfordern, jede Pflanze selbst anzuziehen. Für einige Pflanzen wie Paprika ist es dafür auch jetzt schon zu spät, bei anderen Pflanzen wie Melonen zum Beispiel, von der man eh nur 1-2 Pflanzen benötigt, lohnt der Kauf vom Profi, da diese Pflanzen auch schon veredelt und damit resistenter gegen Bodenschädlinge sind. Direktsaaten (Samen der direkt an Ort und Stelle ausgebracht wird und nicht in Anzuchttöpfen vorgezogen wird) hingegen von Kräutern oder Radieschen und Salat ist kein Hexenwerk und da dieses Saatgut auch meist sehr günstig ist, durchaus zu empfehlen.

Beim Kauf von Pflanzen solltest Du auf jeden Fall darauf achten, dass Du sie auch gleich pflanzen kannst und nicht etwa wie bei den Tomaten, erst nach den Eisheiligen im Mai. Denn wo willst Du sie in der Zwischenzeit parken?

Wichtig ist auch, dass sie schon gut durchwurzelt sind. Dazu den Topf umdrehen und schauen, ob vielleicht schon Wurzeln rauswachsen bzw. den Plastiktopf entfernen und schauen, wie die Durchwurzelung ist. Manchmal erkennt man dabei auch, dass die Pflanzen bereits „ertränkt“ wurden und faulige Wurzeln haben. Auch ein Blick unter die Blätter hilft oft zu erkennen, ob die Pflanzen bereits von Schädlingen befallen sind.

Bei der Wahl der Pflanze sollte man auch direkt das Platzangebot auf dem Balkon berücksichtigen. Eine Tomatensorte, die bis zu 5-6 Metern hoch wird, ist für den Balkon nicht geeignet. Oft gibt es spezielle Balkonsorten, die sind auf jeden Fall geeignet, aber nicht zwingend erforderlich.

Ich persönlich kaufe nur Bioqualität im Fachhandel oder auf Gartenmärkten, aber das bleibt jedem selbst überlassen.

Sollte man Pflanzen online kaufen wollen, möglichst nicht vor dem Wochenende bestellen, da die Paketdienste zur Zeit doch stark überlastet sind und es keiner Pflanze gut tut ein Wochenende im Paket zu verbringen.

Gießkanne und Bewässerungssystem

Am Besten gießt man seine Pflanzen von unten, dann ist es unwichtig ob man mit einer normalen Gießkannenöffnung gießt oder eine Gießkanne mit Brausenaufsatz verwendet.

Wenn ihr für Euch beschlossen habt, ein Bewässerungssystem anzuschaffen, dann lasst Euch auf jeden Fall beraten. Auch die Bewässerung muss zur Anzahl der Kübel passen.

Richtiges Einpflanzen

Ihr habt jetzt alles auf Eurer Liste besorgt und wollt starten.

Nehmt zunächst alle Pflanzen und verteilt sie auf die Kübel bzw. Blumenkästen, um zu sehen, ob das Konzept so für Euch passt. Danach beginnt das Einpflanzen.

Zunächst sicherstellen, dass die Kübel ausreichend Wasserabflusslöcher haben. Bei günstigen Modellen kann es schon einmal sein, dass man da noch Stanzteile rausdrücken muss.

Haben die Töpfe unten ein großes Loch, dieses erst mit einer Tonscherbe versehen. Danach circa 3 cm Drainageschicht aus Kieselsteinen oder Tongranulat einbringen, darüber ein Vlies legen, damit die Erde nicht direkt in die Granulatschicht rutscht. Dann etwas Erde einfüllen, die Pflanzen aus den Anzuchttöpfen heraus nehmen und kurz in einen Eimer mit Wasser stellen, bis keine Bläschen mehr aufsteigen. Dann in die Kübel einsetzen und mit Erde auffüllen. Das Ganze leicht andrücken und angießen.

In den nächsten Tagen darauf achten, dass die Erde nicht zu trocken wird.

Jetzt ist der größte Teil geschafft. Regelmäßig gießen und nachdüngen und sich an den Wachstumserfolgen und vielen Schmetterlingen und Insekten freuen.

Und nun einfach loslegen.

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