Konsumwahn versus Qualitätsbewusstsein

Billig ist mir zu teuer – oder warum sich Qualität meist bezahlt macht. Ein Plädoyer für mehr Qualitätsbewusstsein.

Ich wollte schon länger einmal einen Artikel über das Qualtitätsbewusstsein in Deutschland schreiben, aber irgendwie habe ich es immer wieder aufgeschoben. Heute ist meine Frustration über meine eigene Dummheit aber so groß, dass ich die Wut nutze um endlich diesen Artikel zu schreiben. Ich möchte in diesem Artikel eine Lanze dafür brechen mehr auf Qualität zu achten, bewusst regional einzukaufen und der Werbungsfalle zu entgehen

Ihr kennt das sicher alle: Da nimmt man mal eine günstige Hose beim Kaffeeröster mit oder ein Küchenutensil im Discounter und nach zweimaligem Gebrauch ist das Ding hin, der Kassenbon nicht mehr auffindbar und Du wirfst es weg. Das ist ärgerlich und Du denkst, ok beim nächsten Mal gehe ich doch lieber wieder ins Fachgeschäft.

Ja und dann hörst Du plötzlich, dass es das Fachgeschäft, bei dem Frau Müller schon 30 Jahre arbeitet, nicht mehr gibt. Denn nicht nur Du und ich haben diese günstigen Dinge gekauft, sondern noch tausend Andere… Frau Müller ist jetzt arbeitslos und wird wohl mit Mitte fünfzig keinen Job mehr finden. Und Du musst um eine gute Beratung und Qualität zu finden 20 km in die nächste Stadt fahren….Ach ja und dann ist da noch der Sportverein deines Sohnes: Den hat die Firma X immer mit Spenden und Trikotwerbung unterstützt, jetzt sollen die Eltern die neuen Anzüge selbst bezahlen. Denn der Verein kann es wegen der sinkenden Mitgliederzahlen wegen Corona und dem fehlenden Sponsor nicht mehr stemmen…

Meine Endrechnung in diesem Beispiel lautet daher wie folgt: 19,95 € für den günstigen Mixstab umsonst, 6€ Parkgebühr und Benzin für das Besorgen des neuen Stabes zusätzlich, 60 € für die neuen Trainingssachen. Also habe ich im Endeffekt fast 90 € mehr gezahlt, als wenn ich gleich auf Qualität geachtet hätte. Und da ist noch nicht einmal die Ökobilanz mit eingerechnet. Ach ja und der Discounter zahlt auch vor Ort keine Steuern, im Gegensatz zum stationären Mittelständler. Was ich damit sagen möchte, das vermeintliche Schnäppchen erweist sich häufig als Schrott und ist sowohl für die Umwelt, als auch für die Förderung der regionalen Wirtschaft äußerst schädlich.

Wie aber solchen Versuchungen entgehen?

Wir alle werden jeden Tag mit Werbung bombadiert. Da sind die vielen Werbeeinlagen in den Zeitungen, Internet- und Fernsehwerbung, die Empfehlungen der Influencer und so weiter. Die Liste ist schier endlos. Und wozu dient diese Werbung? Sie dient dazu uns Verbraucher zu manipulieren. Jahrelang wurde uns beispielsweise beigebracht sogenannte „Schnäppchen“ zu erwerben und das derjenige, der mehr bezahlt „blöd“ ist. Entstanden ist daraus ein Volk der „Schnäppchenjäger“ . Dabei haben Ökonomen schon lange herausgefunden, dass derjenige, der immer nur nach Angeboten einkauft, oft viel zu viel und im Endeffekt auch zu teuer kauft. Nimmt man die Lebensmittelbranche so wird das gut ersichtlich. Werbebeilagen verführen uns oft dazu Dinge zu kaufen, die wir gar nicht wirklich brauchen, die teilweise ungesund sind oder in Verpackungseinheiten angeboten werden, bei denen beim 2 Personenhaushalt schnell etwas verdirbt. Es gibt einige Strategien, wie man diesen Manipulationen entgegen treten kann.

Werbung abbestellen

Zunächst einmal ist es hilfreich Werbung aus dem eigenen Briefkasten zu verbannen mit einem simplen Aufkleber „keine Werbung und kostenlosen Zeitschriften“ . Des weiteren sollte man sich nicht mit Newslettern voll schütten lassen. Konsequent alle für einen selbst nicht relevanten Newsletter abbestellen.

Qualitätsbewusstsein

Die Werbung spricht gezielt unser Gefühle an, die Ratio tritt in den Hintergrund. Ich kann mich gegen eine solche Manipulation am erfolgreichsten wehren, wenn meine Einstellung von vorneherein einige Werte und Qualitätsansprüche umfasst.

Mit der Einstellung, ich möchte Lebensmittel zu mir nehmen, für die der Erzeuger fair entlohnt wird, die meinem Körper gut tun und bei deren Erzeugung auf die Umwelt oder das Tierwohl Rücksicht genommen wurde, entlarve ich schon viele vermeintlichen „Angebote“ als für mich nicht Werte konform und werde sie so auch nicht kaufen. Mit dem Vorsatz, ich möchte überwiegend den örtlichen Einzelhandel unterstützen, erliege ich seltener irgendwelchen Online Angeboten. Begebe ich mich auf die Suche nach der besten Qualität und nicht des billigsten Angebots, erwerbe ich automatisch eine höhere Qualität.

Ratio mit Hilfsmitteln unterstützen

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. Oft wird die Ratio beim Einkauf schnell in den Hintergrund gedrängt, wenn nur die richtige Gefühlsebene angesprochen wird. Wie kann ich aber erreichen, dass meine Einkäufe rational gesteuert werden?

Einkaufszettel

Ich persönlich fertige jede Woche eine Einkaufsliste, nachdem ich den Speiseplan für die Woche aufgestellt habe. Danach schaue ich, ob die von mir benötigten Produkte irgendwo im Angebot sind (digital mit der APP). Anschließend entscheide ich mich für ein Geschäft. Dort kaufe ich die Dinge auf der Liste und nur die Dinge auf der Liste. Damit ich mich auch garantiert daran halte, nehme ich nur soviel Geld in bar mit, wie ich für diesen Einkauf brauche und gehe auch nicht hungrig einkaufen.

Haushaltsbuch und Haushaltsbudget

Um zu entlarven, wo die Kostenfallen bzw. die Schnäppchenfallen für einen persönlich am herausforderndsten sind, sollte man einige Zeit ein Haushaltsbuch führen und auch ein Budget aufstellen.

24 Stunden Regel

Bei einem Hang zu Spontankäufen oder bei größeren Anschaffungen, sollte man die 24 Stunden Regel beachten. Das bedeutet, wenn ich ein vermeintlich gutes Angebot erhalten oder gesehen habe, schlafe ich eine Nacht darüber. Und wenn ich am nächsten Tag immer noch der Meinung bin, ich brauche den Gegenstand und der Preis und die Qualität sind in Ordnung, erwerbe ich es. Diese Regel hilft mir persönlich sehr im Schlussverkauf oder bei spontanen Schuhkäufen. Die meisten Frauen wissen jetzt sicher wovon ich Rede.

Preis- und Qualitätsrecherche

Viele Menschen recherchieren bei größeren Anschaffungen nur den Preis eines Artikels und nicht die Qualität. Dabei haben wir heute so gute Möglichkeiten online Testergebnisse zu recherchieren und ich meine wirklich Testergebnisse und nicht gekaufte Sternebewertungen von Verbrauchern.

Service und Regionalität Wert schätzen

Wenn man dann weiß welche Produkteigenschaften für einen wichtig sind, sollte man auch noch die Beratung, den Reparaturservice, die Garantie und Regionalität in seine Kaufentscheidung mit einbeziehen. Was meine ich damit? Wenn ich weiß, welches Produkt ich in etwa möchte, lasse ich mich stationär beraten. Diese Beratung hat einen Wert, denn auch sie kann verhindern, dass ich einen Fehlkauf tätige. Zum Beispiel weil das recherchierte Produkt zwar gut ist, an meinen Bedürfnissen aber vorbei geht. Habe ich dann diese Beratung genossen und das Produkt ist geringfügig teurer als Online, so kaufe ich es auf jeden Fall vor Ort und schätze damit die Beratung Wert.

Bestimmte Dinge würde ich zum Beispiel nie online kaufen, dazu gehören beispielweise Medikamente. Denn die örtliche Apotheke bietet mir Beratung und am Wochenende auch einen Notdienst. Was wenn es diese Apotheke nicht mehr gibt? Ist dann Geiz bei Schmerzen immer noch geil?

Keine Ratenkredite für Konsumgüter

Man sollte keine Ratenkredite aufnehmen, es sei denn es handelt sich um wirklich wichtige Dinge. Wichtig ist beispielsweise, das Auto auf dem Land oder eine Waschmaschine bei 2 kleinen Kindern. Nicht wichtig ist aber das neue Handy, der Smart-TV oder der Luxusföhn für 500 €.

Das heißt nicht, dass man sich sowas nicht gönnen sollte. Aber man sollte das Geld dafür zuerst ansparen und dann kaufen. Die Schuldnerberatungen sind voll von Menschen, die einfach ihre Verbraucherkredite nicht mehr übersehen könne. Und kennt Ihr das nicht, ihr habt Euch etwas richtig hart angespart und schließlich gekauft? Wieviel mehr schätzt Ihr diesen Gegenstand dann Wert. Wie toll ist da Gefühl es sich erarbeitet zu haben?

Corona Einkaufsverhalten

Viele von Euch lesen vielleicht den Artikel und denken, alles schön und gut, aber wir befinden uns im Lock Down und ich kann gar nicht vor Ort einkaufen. Das ist so nicht richtig, denn in vielen Städten haben sich die Einzelhändler zusammen getan und bieten sogar Onlineberatung und eine Lieferservice an. Anstatt bei Amazon kann ich genauso gut beim kleinen Buchhändler bestellen. Geht doch mal auf die Internet oder Facebook Seite eures örtlichen Handels. Ihr werdet überrascht sein, wie groß das Angebot ist.

In diesem Sinne hoffe ich, der Artikel regt zum Nachdenken an. Ich hoffe ich komme nicht zu sehr belehrend rüber ( ich selbst habe auch immer wieder meine Herausforderungen) und Ihr kommt gut durch diese Corona Zeit.

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